Lektion Fortschritt:

Der „RLT (Raumlufttechnik)-Fall“:

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Kurs „Meister des Raumklimas“,

Das Raumklima und die Raumluftgüte sind in einem sehr hohen Maß vom Luftwechsel abhängig. Frischluftaustausch verringert die mehr oder weniger vorhandene verbrauchte Luft (CO2) oder die Schadstoffanteile (VOC, Partikel, Allergene/Mikroorganismen, Ozon, Peroxide etc.).

Es soll in dieser Fallbesprechung kritisch nachgefragt werden, ob überhaupt noch ohne RLT-Anlagen gebaut werden kann, wenn die Gebäudeaußenhülle nahezu dicht ist.

  • Kann davon ausgegangen werden, dass Raumnutzer rechtzeitig und ausreichend lüften?
    Es soll gezeigt werden, dass mit Lüftungsanlagen nicht automatisch eine vorgeschriebene Raumluftgüte erreicht werden kann. Am Arbeitsplatz oder in Schulen gelten andere Empfehlungen und Richtlinien als in Privaträumen.
  • Welche Anforderungen müssen wir an die Fensterlüftung stellen?
  • Wie wirkt sich verbrauchte Luft auf die Gesundheit oder die Aufmerksamkeit aus?

Einleitung:
Es geht in dieser Fallbesprechung um einen Schulneubau in einer bayrischen Stadt (AG). Im Rechtsstreit (2014-2020) wird dem Generalunternehmer Holzbau (GU) vorgeworfen nicht alle strengen VOC Raumluftrichtwerte des Umweltbundesamtes gemäß einem Messgutachten des Auftraggebers (AG) eingehalten zu haben. Ihm wird vorgeworfen, dass er vermutlich unerlaubte und emissionsreiche Baustoffe verwendet hat und somit ein Baumangel vorliegt und eine Schlussabnahme für das Gebäude verweigert wurde.

Wir (IQUH) wurden vom GU beauftragt weitere Raumluftmessungen durchzuführen und zu überprüfen, ob die Messwerte vom Sachverständigen (SV) des AG plausibel sind und normengerecht ermittelt wurden.

Die Außenhülle des Schulgebäudes kann gemäß der BlowerDoor Überprüfung (n50 Wert = 0,19) als nahezu luftdicht bezeichnet werden. Demzufolge findet bei normalem Außenwetter und ohne Luftdruckunterschiede auch kein nennenswerter Luftwechsel durch die Außenhülle mehr statt.

Da das ganze Gebäude über keine RLT-Anlage verfügt, können sich also nach vorgeschriebener 8 h Verschlusszeit, d.h. ohne mechanische oder technische Lüftung, vermehrt leichtflüchtige organische Verbindungen (VOC) anreichern, die dann gemäß der Normenreihe (DIN ISO 16000) bei Raumluftmessungen erfasst werden.

Die IQUH Messingenieure führten daher ebenfalls solche „worstcase“ Messungen nach 8 h Verschlusszeit durch, jedoch zusätzlich eine „nutzungsangepasste“ zweite und dritte Messung nach 90/45 Minuten Verschlusszeit, wie dies vom UBA (angelehnt an die Lüftungsnormen bzw. an die Behaglichkeitsnorm EN 15251) empfohlen wird.

Nach der 2./3. Messvariante konnten alle Richtwerte gemäß den neuen Messergebnissen eingehalten werden. Strittig blieb nun, ob das Gebäude mangelhaft erstellt wurde oder nicht.

  • Wenn ja, wer hat den Mangel zu verantworten?

Grundsätzlich ist die Frage zu stellen, wer in einer neu gebauten oder zu planenden Schule für einen normengerechten Luftwechsel verantwortlich ist:

  • Sind es die Raumnutzer (Lehrerpersonal, Schüler) durch Querlüftung oder der AG oder sein Planer, weil er eine RLT Anlage einplanen müsste oder ist der GU verantwortlich, weil er keine Bedenken angemeldet oder keine normgerechte Lüftungsplanung vorgelegt/empfohlen hat?

Fragen, die auf Grund zunehmender Raumluftprobleme und Raumklimanotständen vor allem in Büros und Schulen aber auch in Privaträumen immer öfters auch einen gesundheitlichen Stellenwert bekommen.

Die handelnden Personen/ Einrichtungen in dieser Geschichte sind:

  • AG (Auftraggeber „Staatliches Bauamt“)
  • GU (Generalunternehmer schlüsselfertiger Holzbau)
  • SV (Sachverständiger und Messtechniker des AG)
  • IQUH (Messtechnik, Beratung zu den Richtlinien und Normen, SV des GU)

Viel Spaß bei diesem Fall – und herzliche Grüße
Karl-Heinz Weinisch/ Dr. Roland Falk

1.1. Erfassung Problemstellung

Die Story

Das Ziel der beauftragten Raumluftmessung war die Überprüfung der Raumluftwerte bezüglich der vertraglich geforderten Werte in allen Schulräumen gemäß der Normenreihe DIN ISO 16000.

Es wurden Messungen (Verschlusszeit 8h) unter Extrembedingungen und unter Nutzungsbedingungen (Verschlusszeit 90/45 min.) durchgeführt. Vorab wurde eine Messplanung erstellt und die Vorgehensweise der Raumvorbereitung nach Standardnormvorgaben und der Umfang der Feinreinigungsarbeiten und der tagelangen Temperierung bei gleichzeitig verstärkter Be- und Entlüftung der Prüfräume und des Gebäudes definiert. Klima- und Messprotokolle sind zu führen. Die Messräume sind unter Anleitung des Messtechnikers vorzubereiten, zu reinigen und zu lüften.

Problemstellung/Historie:
Bezugnehmend auf den „LEITFADEN FÜR DIE INNENRAUMHYGIENE IN SCHULGEBÄUDEN“ des Umweltbundesamtes, wurde neben der WorstCase Messung und zwei nutzungsbedingte Messungen mit 90/45 min. Raumverschlusszeit durchgeführt.

Praxis-Tipp

Schauen Sie in der Literatursammlung nach, ob es ein Dokument einer behördlichen Stelle gibt, auf das Sie sich berufen können.
Bei unserem Fall haben wir uns auf den LEITFADEN FÜR DIE INNENRAUMHYGIENE IN SCHULGEBÄUDEN bezogen. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Passagen

Auszug Seite 24
„…muss nach Möglichkeit dafür gesorgt werden, dass während und am Ende der Unterrichtsstunde die hygienischen Erfordernisse für Kohlendioxid eingehalten werden. Es ist deshalb auch im Winter unerlässlich, dass während der Pausen konsequent gelüftet wird, bei langen Unterrichtsstunden und sehr hoher Raumbelegung auch zwischendurch…“

Auszug Seite 25
„Bei einer üblichen Raumbelegung ist ein mehrfacher Luftwechsel pro Stunde für den Klassenraum erforderlich, um das von den Schülern beim Ausatmen produzierte Kohlendioxid aus der Raumluft in ausreichendem Maße abzuführen. Der notwendige Luftaustausch von etwa 25 bis 30 m3/h und Person ist nicht mit natürlicher Lüftung bei geschlossenen Fenstern (sog. Fensterfugenlüftung) zu erreichen, sondern nur dadurch, dass die Fenster regelmäßig kurzzeitig und weit geöffnet werden („Stoßlüftung“ für mindestens 5, besser bis 10 Minuten) “

Auszug Seite 122
„Lüftungsplan – Verfügt die Schule über keine technische Lüftung, sind die Klassenzimmer während des Schulbetriebs mindestens nach jeder Schulstunde (45 min) und vor sowie nach Ende des Unterrichts möglichst quer zu lüften. Die Schulleitung legt fest, wer nach jeder Schulstunde das Klassenzimmer lüftet und wie gelüftet wird. In unteren Klassenstufen sollte hierfür der anwesende Lehrer verantwortlich sein. In höheren Klassenstufen können für diese Funktion Schüler eingeteilt werden.“

Karl-Heinz Weinisch
IQUH

Lern-Hinweise

„Lüftung – Grundlagen“ – wir empfehlen folgende Filme:

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„W-Fragen“

Fragen:

  • Welche Normen zur Lüftung gibt es und welche Gebäudearten werden dabei unterschieden?
  • Welche Anforderungen bezogen auf die Raumluftgüte sollen in Büros oder Schulen durch RLT-Anlagen erfüllt werden (z.B. VOC Richtwerte)?
  • Welche Raumklima Parameter können durch RLT Anlagen positiv beeinflusst werden?
  • Wie, wann und durch wen sollte eine Lüftungsplanung schon vor der Bauplanung angesprochen werden?

1.2. Befragung per Telefon/ Email

Die Story

Lange Telefonate wurden mit dem Geschäftsführer des GU geführt, da die Endabnahmen des Bauwerks und damit auch die Restzahlungen schon seit vielen Monaten überfällig sind.

Wir erstellten ein Angebot, nachdem wir die Gutachten und Unterlagen gesichtet hatten.

Danach wurde uns der Auftrag für eine Raumluftuntersuchung erteilt.

Praxis-Tipp

Suchen Sie sich einen Lüftungsanlagen Anbieter in Ihrer Region, dieser sollte neben einer ausgereiften Lüftungstechnik einen guten zuverlässigen Service und eine persönliche Betreuung anbieten.

Sprechen Sie auch mit Ihren Kollegen welche Firma eine gute Unterstützung bietet.

Dr. Roland Falk
Kompetenzzentrum Ausbau und Fassade

Lern-Hinweise

Erklärfilm Helios Lüftungssystem:

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„W-Fragen“

  • Welche Schadstoffe/VOC reichern sich in Schulräumen an?
  • Wie werden VOC Richtwerte geregelt?
  • Wo kann ich die Richtwerte nachschlagen?
  • Wo kann man etwas über Raumklima-Richtwerte nachlesen?

1.3. Befragung vor Ort

Die Story

Bei der 1. Raumluftmessung in den Schulräumen lagen die Werte mit 364 µg/m³ bei den TVOC (Summe der leichtflüchtigen organischen Verbindungen) weit unter dem Leitwert 1.000 µg/m³. Mit 260 µg/m³ bei den bicyclischen Terpenen lag der gemessene Wert noch leicht über dem RW I (200 µg/m3) des UBA. Daher wurden die Räume nicht abgenommen und freigegeben und die Kosten für diesen „Mangel“ wurden dem GU abverlangt, wogegen er sich zur Wehr setzte.

Unter Berücksichtigung der CO2 Konzentrationen in Verbindung der Einhaltung des CO2 Richtwertes < 1.500 ppm in der Innenraumluft bei Nutzung des Raumes durch Menschen und der damit geforderten Luftwechselrate von 30m³/h pro Person, würde bei diesem Raum (ca. 105m³) bei einem Besatz von 2 Personen schon allein wegen der durch die Atmung verursachten CO2-Emission nach ca. 1,5 Stunden ein kompletter Luftwechsel erforderlich sein damit der CO2 Richtwert nicht überschritten wird.

Dies hätte zur Folge, dass bei normgerechter und vorgeschriebener Lüftungstätigkeit (technisch oder manuell) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der RWI für bicyclische Terpene unter allen Umständen und jederzeit sicher unterschritten werden kann.

Wir empfehlen in jedem Klassenraum eine gemäß den anerkannten Richtlinien (ASR, ArbStättV, BGR, GUV, UBA) angefertigte Lüftungsleitplanung gut lesbar aufzuhängen. Diese Maßnahme halten wir für ausreichend, wenn zur Raumluftgütekontrolle und sicheren Einhaltung der Lüftungsintervalle ein CO2 Messgerät zusätzlich in jedem Klassenraum installiert wird.

Andererseits schlagen wir eine Einzellüfteranlage in jedem Klassenzimmer vor, die zwar für eine Unterschreitung der Richtwerte für die VOC Raumluftgüte sorgen könnte, jedoch kann erfahrungsgemäß eine Standard RLT-Anlage die Richtwerteinhaltung ohne Anwesenheit von Schülern nicht garantieren und im Schulbetrieb erst recht eine Querlüftung nach 1,5 Std. Unterricht nicht gänzlich ersetzen. Die Probeinstallation mehrerer Systeme von Einzel-RLT Anlage wird empfohlen und mit gleichzeitigem CO2-Sensor kann der Nachweis erbracht werden.

Der Vorschlag wurde angenommen und weitere Messtermine mit verschiedenen RLT Anlagen wurden vereinbart.

Praxis-Tipp

Es gibt inzwischen neben den Einzelraumlüftungsgeräten auch kleine Lüftungsanlagen mit Zu- und Abluftanschlüssen, die in einer Zwischenwand oder auch in oder auf einer Außenwand eingebaut werden können.

Die Abluftführung könnte auch im Rahmen einer Fassadendämmung auf der Außenwand erfolgen.

Diese Lüftungsgeräte haben eine höhere Leistung und können mit Enthalpiewärmetauschern oder auch unterschiedlichen Filtern ausgestattet werden, im Vergleich zu den Pull und Push Geräten.

Dr. Roland Falk
Kompetenzzentrum Ausbau und Fassade

Lern-Hinweise

Arbeiten Sie die spezielle Lerneinheit zur Lüftung durch – zu öffnen über den Button unten.

Dort erfahren Sie vor allem auch, wie ein Lüftungskonzept erstellt wird, welche Werte für die Auslegung einer Lüftungsanlage benötigt werden und wie Sie diese nach der entscheidenden DIN 1946 Teil 6 berechnen können.

„W-Fragen“

Fragen:

  • Warum würde auch die Steuerung über den CO2 Wert auch die VOC Werte deutlich senken?
  • Warum sind Einzelraumlüfter für Räume mit hoher Personenbelegung als Lüftung nicht ausreichend?
  • Ist eine Kombination aus mechanischer Lüftung und freier Lüftung zulässig?

2.1. Sichtprüfung

Die Story

Auf Grund der Sichtprüfung in den Schulräumen konnten keine bekannten und außergewöhnlichen VOC und deren Quellen festgestellt werden.

Bei juristisch zu überprüfenden Neubauten bzgl. den VOC Richtwerten ist es wichtig, dass keine Möbel, Baustoffreste oder ein starkes Staubaufkommen vorhanden sind.

Praxis-Tipp

Schauen Sie sich vor Ort an, ob eine Stoßlüftung überhaupt möglich ist, sind die Fenster frei zugänglich oder muss erst die Fensterbank abgeräumt werden.
Gibt es die Möglichkeit der Querlüftung. Sind Abluftschächte vorhanden.

Fragen sie vor Ort, wie das Lüften konkret umgesetzt wird. Geben Sie keine Empfehlungen oder Belehrungen zum Lüften an dieser Stelle – versuchen Sie nur die Fakten aufzunehmen.

Dr. Roland Falk
Kompetenzzentrum Ausbau und Fassade

2.2. Geruchsprüfung

Die Story

Gleichzeitig zur Sichtprüfung wurde eine orientierende Geruchsprüfung durchgeführt, wobei keine außergewöhnlichen Geruchsauffälligkeiten (z.B. Schimmel, Putzmittelgerüche, geruchsintensive Bodenbeläge) vorlagen.

2.3. Orientierende Messung(en)

Die Story

Orientierende Raumklima-Messungen wurden wie bei allen VOC Raumluftmessungen durchgeführt.

Es werden mit Sensor Prüfgeräten CO2, Luftfeuchte, Lufttemperatur, Luftdruck, VOC, Partikel, Formaldehyd die Raumluftgegebenheiten vorab geprüft, um Abnormitäten auszuschließen.

Alle Messbereiche sollten im Mittelmaß vorliegen, damit davon ausgegangen werden kann, dass normgerechte Klima- und Messbedingungen vorliegen und damit die rechtssichere und gutachterliche Raumluftmessung starten kann.

„W-Fragen“

Fragen:

  • Wann sind orientierende Messungen (Schätzwerte) sinnvoll?
  • Warum beeinflussen extreme Raumklimaparameter die VOC Raumluftwerte?

3.1. Ergebnis-Aufbereitung

Die Story

Messreihe 1 ohne RLT Anlagen:

Die von uns vertrags- und normgemäß durchgeführten Raumluftmessungen gemäß Normenreihe DIN EN ISO 16000 erbrachten hinreichende Erkenntnisse über die Raumluftqualität im o.g. Gebäude und in den einzelnen Schulräumen mit und ohne provisorisch installierten Einzellüftergeräten.

Alle Messwerte lagen unterhalb des Richtwertes ll der UBA Richtwertvorgaben für Einzelstoffverbindungen, für Stoffgruppen und unterhalb des Leitwertes für die Summe der VOCs von TVOC < 1.000 µg/m3. Ebenso wurde der Richtwert 100 µg/m3 für Formaldehyd weit unterschritten.

Der strengere RW l für bicyclische Terpene wurde bei einer Kontrollmessung unter „Worst Case“ Bedingungen und 8 Std. Verschlusszeit geringfügig überschritten. Bei den vom UBA für Schulräume empfohlenen Kontrollmessungen unter Nutzungsbedingungen bei 1,5 Std. und 45 min Verschlusszeit nach Querlüftung, d.h. bei regelgerechter Fensterlüftungstätigkeit, konnten auch alle strengen Richtwerte l eingehalten werden.

Da der AG vom AN / GU eine Einhaltung der strengen UBA Richtwerte l ausdrücklich im Werkvertrag beschrieben und eingefordert hat, ist man im Schlichtungsversuch über eine probeweise Installation von verschiedenen RLT Anlagen übereingekommen. Anschließend wurden die VOC Raumluftwerte erneut abgeprüft.

Im Messraum 1 wurde eine reine Abluftanlage installiert und im Messraum 2 wurde vor der Messung ausreichend quergelüftet.

Eine Verbesserung der VOC Werte konnte in beiden Räumen nicht festgestellt werden.

Der Einsatz von Raumluftreinigern (Hepa Aktivkohle) erbrachte keine wesentliche Verbesserung oder sichere Unterschreitung von RW l für Einzelverbindungen

Verschiedene Einzellüftergeräte mit Wärmerückgewinnung kamen zum Einsatz.

Ein Gerät sorgte für eine Unterschreitung aller RW l für Einzel- und Gruppenwerte.

Dieser unverhältnismäßig hohe Kostenaufwand befreit das Lehrerpersonal jedoch nicht generell vom Lüften. Die Einhaltung der UBA Lüftungsintervalle sind daher gerade bei Raumnutzung mit ca. 20 Personen verbindlich einzuhalten, was durch CO2/VOC Simulationsberechnungen vorherbestimmt und belegt werden kann.

Merke:

Bei normalem Schulbetrieb inkl. Standard Einzellüftungsanlagen (mittlere Leistungsstufe, wegen der Lautstärke) können ohne zusätzliche Fensterlüftung nicht alle UBA Raumluftrichtwerte eingehalten werden.

Sind dann jedoch 20 Personen und mehr im Schulraum ist zusätzliche Fensterlüftung unverzichtbar, um eine gleichbleibend gute Raumluftqualität zu garantieren. Mit Simulationsberechnungen können zu erwartende CO2/VOC Werte schon während der Bauplanung voreingeschätzt werden.

Um alle VOC Richtwerte sicher einhalten zu können, ist es nicht zwingend erforderlich Lüftungsanlagen zu installieren, wenn das richtige Lüften durch eine Lüftungsplanung vorgeschrieben und immer umgesetzt wird. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass dies aus verschiedenen Gründen im Unterrichtsalltag kaum umgesetzt werden kann. Daher kann in Schulgebäuden auf Grund der Energieeinsparverordnung, der luftdichten Bauweise und des Umweltschutzes höchstwahrscheinlich nicht auf hygienisch überwachte Lüftungsanlagen verzichtet werden.

Zur Überwachung einer ausreichenden Raumluftgüte wird der Einsatz von CO2 Sensoren in allen Arbeits- und Schulräumen empfohlen, der dann über die Alarmfunktion (> 1.000 bis 1.500 ppm) auch die Lüftungstätigkeit vorschlägt.

Somit konnte schlussendlich durch Messungen plausibel belegt werden, dass auch ohne Einsatz von Lüftungsgeräten und lediglich durch Einhaltung der UBA Fenster-Lüftungsvorgaben bzgl. normgerechter Lüftungsintervalle alle UBA Richtwerte sicher unterschritten werden können. Energieverluste oder die Gefahr von Kondensat- und Schimmelbildung durch Fensterlüftung ohne Wärmerückgewinnung sind zusätzlich zu berücksichtigen.

Praxis-Tipp

Beraten Sie die Kunden über die veränderte Bauweise und die dadurch reduzierte natürliche Infiltration.

Erklären Sie, dass bei gut gedämmten Gebäuden der Anteil der Lüftungsverluste sehr hoch ist und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung eine deutliche Verbesserung des Raumklimas bringen, da ein kontinuierlicher Luftwechsel alle Schadstoffe aus dem Gebäude bringt und für eine Durchmischung mit „frischer“ Außenluft gesorgt wird.

Dr. Roland Falk
Kompetenzzentrum Ausbau und Fassade

Lern-Hinweise

Schauen Sie sich den Beitrag von Burkhard Schulze Darup den er im Rahmen eines Webinars zum Thema Gebäudehülle versus Technik gehalten hat an.
Seine Aussagen zum Thema Lüftung können Sie ab Minute 56 hören.

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„W-Fragen“

Fragen

  • Warum ist eine Schulsituation nicht mit einer normalen Wohnsituation zu vergleichen?
  • Warum schreibt die Norm 1946 im Teil 6 einen nutzerunabhängigen Feuchteschutz vor?
  • Wie kann die natürliche Infiltration bestimmt werden?
  • Warum bringt ein „normales“ Lüftungskonzept für eine Schule kein ausreichendes Ergebnis?

3.2. Protokoll verfassen

Die Story

Welche VOC-Messwerte stellen sich bei unterschiedlichen Lüftungsszenarien ein?
Die Lüftungsvarianten liefen auf einer Betriebsstufe, die durch Vertreter der Lehrerschaft als akustisch noch hinnehmbar empfunden wurden und die den Unterricht nicht störten.

  • Im ersten Raum Zi. 213 wurde vor der Raumluftmessung nur eine Fensterlüftung ohne RLT Geräte durchgeführt. Die UBA Richtwerte konnten dort nicht alle eingehalten werden.
  • Im zweiten Raum, der ohne RLT Anlage.

In folgenden Zimmern wurde mit technischen Geräten zusätzlich gelüftet und das sind die Ergebnisse:

  • Einzig im Raum mit dem LTM dezent 800 (LWZ 2,2) wurden alle VOC Richtwerte eingehalten.
  • Im 2. Raum wurden reine Abluft/Zuluftanlagen installiert ohne Wärmerückgewinnung, die Richtwerte l konnten nicht alle eingehalten werden.
  • 2 LTM 1230- und 2 Meltem M-WRG-S in je einem Klassenraum erreichen bei einem Luftwechsel
    von ca. 0,3 nicht alle Richtwerte.
  • Ein Meltem M-WRG-S (LWZ 0,3) in dem kleineren Raum LC 213 schaffte nicht alle Richtwerte.
  • Ein Gerät bluMartin schafft den gleichen Luftwechsel wie 2 LTM 1230 oder 2 Meltem M-WRG-S (LWZ 0,3), aber nicht die Richtwerte.
  • Der Raum mit dem Raumluftreiniger IQ Air Health Pro 150 schafft mit Fensterlüftung nicht alle Richtwerte.

Ergebnis:
Zur Einhaltung aller UBA VOC Richtwerte sind im Schulbetrieb weitere Maßnahmen erforderlich wie ausreichende Fensterlüftung und/oder Einstellung höherer Lüftungsstufen außerhalb der Schulzeit. Eine Überwachung der Raumluftgüte mit CO2 Sensoren für die rechtzeitige Fensterlüftung im Schulbetrieb wird angeraten.

LTM Ventilatatorlüftung Abluft von VOC – eine Verbesserung der VOC Werte wurde erreicht, die strengeren VOC Richtwerte l werden nicht eingehalten

LTM Thermolüfter 1230 (72 m3/h Leistungsstufe 4) Zi. 215 – eine Verbesserung der VOC Werte wurde erreicht, die strengeren VOC Richtwerte l werden nicht eingehalten

Iclean Raumluftreiniger Pro Health 150 für VOC Zi. 220 – eine Verbesserung der VOC Werte wurde erreicht, die strengeren VOC Richtwerte l werden nicht eingehalten

1 Meltem Typ M-WRG-S (60 m3/h Leistungsstufe 2) – eine Verbesserung der VOC Werte wurde erreicht, die strengeren VOC Richtwerte l werden nicht eingehalten

LTM Dezent 800 (470 m3/h auf Stufe 2) Zi 121– alle strengen VOC Richtwerte werden eingehalten

BluMartin free Air 100 (Stufe 4) Zi 215 – eine Verbesserung der VOC Werte wurde erreicht, die strengeren VOC Richtwerte l werden nicht eingehalten

Praxis-Tipp

Mit einfachen Pull und Push Geräten kann eine Grundlüftung erfolgen, die in normalen Wohnverhältnissen einen deutlichen Beitrag zur Frischluftversorgung leisten.

Durch die Vermischung der Zu- und Abluft im Keramikblock werden diese Lüftungsanlagen zum Teil kritisch gesehen. In letzter Zeit kommen zunehmend kleine kompaktlüftungsanlagen mit Wärmetauscher die auch den Anschluss von Lüftungsrohren ermöglichen auf den Markt. Auch namhafte Lüftungsgeräte Hersteller entwickeln hier neue Geräte.

In den nächsten Jahren werden hier sicher noch weitere Modelle am Markt auftauchen – beobachten Sie den Markt und informieren Sie sich. Wir unterstützen Sie als MdR dabei.

Dr. Roland Falk
Kompetenzzentrum Ausbau und Fassade

Lern-Hinweise

Verwendete Geräte:

Schauen Sie sich bei den verwendeten Lüftungsgeräten einmal die Luftfördermengen an.
Um in einem Klassenraum die Lüftung sicherstellen zu können, muss die Lüftungsanlage auf die Intensivlüftung ausgelegt werden, oder aufgrund der hohen Personenzahl sogar noch höher. Eine Schule benötigt ein besondere Beachtung bei der Auslegung der Lüftungsanlage, diese Berechnung sollte zwingend von einem Haustechnik Ingenieur vorgenommen werden – das fällt in das Ressort der Fachplaner.

(zur Vergrößerung klicken)

„W-Fragen“

Fragen

  • Was ist die Luftwechselzahl LWZ und was sagt sie aus?
  • Welcher technische Unterschied besteht bei einem Pull und Push Lüfter und einer Lüftungsanlage mit Kreuzstromwärmetauscher?
  • Wo kann ein Luftreiniger eine Verbesserung des Raumklimas bringen und wo nicht?

4.1. Sanierungsvorschläge ausarbeiten

Die Story

In diesem Fall konnten wir den GU davor bewahren, dass ein Rückbau von eventuell bedenklichen Stoffen in der Schule notwendig geworden wäre. Deshalb gibt es in diesem Fall auch keinen Sanierungsvorschlag.

Um die kritischen VOC Werte zu reduzieren, hätten auch Baustoffe wie Kalkputze eingesetzt werden können, die aufgrund des hohen PH-Wertes die Säuren binden können.

Die Verschlechterung der Luftqualität – rasche Zunahme der CO2 Konzentration durch die Schüler – hätte auch durch einen Kalkputz nicht verbessert werden können, deshalb haben wir unsere Sanierungsvorschläge in diesem Fall auf Empfehlungen reduziert.

„W-Fragen“

Warum bringen Kalkputze keine Verbesserung bei der CO2 Konzentration?

Warum ist eine technische Lösung in diesem Fall sinnvoller?

4.2. Empfehlungsschreiben

Die Story

Bei diesem Fall ging es darum, dass ein gesundes Raumklima nicht ohne Lüften erfolgen kann. Unterschiedliche Schadstoffwerte und vor allem die Luftverschlechterung durch Personen – was an erhöhten CO2 Konzentrationen festgemacht werden kann, können nur durch aktives regelmäßiges Lüften entfernt werden.

Das Umsetzen eines Lüftungsplanes, der das regelmäßige Lüften spätestens alle 45 Minuten fordert, mag in Schulen eventuell umsetzbar sein, in Wohn- und Bürogebäude ist dies meist nicht möglich.

Deshalb sollte wie auch von der Norm her vorgegeben, der notwendige Luftwechsel zumindest zum Feuchteschutz auch Nutzerunabhängig sichergestellt sein.

Als Empfehlung sollte eigentlich bei jedem Gebäude eine kontrollierte Lüftungsanlage mit Zu- und Abluft und einer Wärmerückgewinnung eingebaut werden. Dies reduziert zum einen die Lüftungswärmeverluste und hilft ein Gebäude Energieneutral zu betreiben und führt auch zu einem besseren Raumklima durch einen kontinuierlichen Luftaustausch.

Wie die Messungen gezeigt haben, reicht eine geringe Luftwechselzahl nicht aus, um alle Schadstoffe aus dem Gebäude zu entfernen. Bei Gebäuden mit erhöhtem Personenaufkommen müssen Lüftungsanlagen vorgesehen werden, die einen höheren auf die Personenbelegung ausgelegten Luftwechsel sicherstellen, oder eine zusätzliche freie Lüftung durch aktives Lüften nach einem Lüftungsplan integriert werden muss.

Deshalb lautet die Empfehlung, dass möglichst Baustoffe verwendet werden sollen, die nur geringe Emissionswerte aufweisen und den Einbau einer Zu- und Abluftanlage möglichst mit Wärmerückgewinnung eingeplant wird.

„W-Fragen“

Fragen

  • Warum reicht es nicht aus, nur Baustoffe zu verwenden die wenig oder kaum Emissionen erzeugen?
  • Welchen Vorteil bietet ein Enthalpiewärmetauscher im Vergleich zu einem normalen Wärmetauscher?
  • Welche Argumente sprechen für den Einsatz einer Lüftungsanlage?
  • Welche Argumente sprechen gegen den Einsatz einer Lüftungsanlage?